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Apfeltage an der Landesberufsschule Schlanders

„Vinschgau“ und „Apfel“ – zwei Begriffe, die im Bewusstsein Unzähliger miteinander verbunden werden und in dieser Verbindung bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Nachvollziehbar, dass die Landesberufsschule Schlanders während der Apfeltage den „Vinschger Apfel“ zum Gegenstand des Unterrichts machte und dies – nach berufspraktischer Manier – als etwas Sicht- und Greifbares darzustellen trachtete. Dass sowohl Fachschule (über die mittlerweile auch die Berufsmatura angestrebt werden kann) als auch Lehrlingsklassen mit gewohnter Professionalität an die Arbeit herangehen würden, war zu erwarten, entstanden sind jedoch Meisterwerke in puncto Kombination von Kreativität und handwerklicher Präzision.

So stand die Konzeption der Fachschule für Metalltechnik – ausgeführt von der 3. Klasse - ganz im Zeichen eines die Schrägstellung der Erdachse berücksichtigenden Globusdesigns. Angefertigt wurden zwei Exemplare: eines aus schwarzem Stahlblech, eines aus nicht rostendem Chrom-Nickel-Stahl. Die Skulpturen (170 x 100 x 22 cm) bestehen aus zwei Grundplatten, die über ein Mantelblech im WIG- und MAG-Verfahren miteinander verschweißt und über ein Gleitlager drehbar sind. Wie die Klasse berichtet ist herauszuheben, dass das Zusammenfügen, Heften, Verschweißen sowie Verschleifen der Bleche sehr arbeitsintensiv war.

Apfel 3. Metall

Auch von der 2. Klasse der Fachschule für Metalltechnik wurde die Globusidee aufgegriffen, allerdings in einer etwas anderen Form. Ein Gerüstbogen, bestehend aus 17 Metallstreifen aus Baustahl, die über eine Matrize kalt gebogen worden sind, bildet den Corpus eines Apfels mit einem Durchmesser von 1,30 m. Die mit Hilfe eines Plasmaschneiders ausgeschnittenen Kontinente aus Aluminium sind mit einem Zweikomponentenkleber am Gerüst befestigt. „Es war sehr schwierig, die Kontinente der Apfelform anzupassen“, so Fachlehrer Markus Puintner. Der in alle Richtungen verlaufende rote Faden zeigt die Transportwege hin zu den Absatzgebieten des Vinschger Apfels. Eine Halterung aus Profil- und Rundeisen verleiht der Stahlkonstruktion Stabilität.

Apfel 2. Metall

Die 4. Klasse der Fachschule für Bautechnik wählte Holz, und zwar Fichte massiv, als Baustoff für eine im Durchmesser 2 m große Sitzbank. Der erste Arbeitsschritt bestand darin, die Bank zu entwerfen, zu zeichnen und ein Modell im Maßstab von ca. 1 : 10 zu bauen. Zwei mit der CNC-Maschine ausgefräste, 1 m große Apfelscheiben – 19 cm stark, ebenfalls aus Fichte – sind im rechten Winkel miteinander verplattet und durch einen Bolzen mit dem Unterbau verschraubt. Dieser selbst besteht aus einer Holzverbindung, die einen vom Mittelpunkt aus verstrebenden sechseckigen Grundriss beschreibt. Die Dielen der Sitzfläche sind dabei so mit dem Unterbau befestigt, dass Wasser zwischen den Fugen abfließen kann.

Apfel 4. Bau

Die 5. Klasse der Fachschule für Steinbearbeitung schließlich verwandelte einem 80 x 80 x 90 cm großen Block in einen überdimensionalen, 960 kg schweren Apfel aus Göflaner Marmor. Gearbeitet wurde so, dass man sich über Hilfsflächen allmählich der Form annäherte. Andreas Wieser, Praxislehrer an der Schule, lobt die Flexibilität der Schüler, den Stundenplan aufzuheben und die Arbeit so zu gestalten, dass einer dort weitermachen konnte, wo ein anderer zuvor aufgehört hatte. Und er fährt fort: „ Das Besondere besteht darin, dass man die einem natürlichen Apfel entsprechenden Wölbungen spürt, wenn man die Hand über die Oberfläche gleiten lässt.“ Bernhard Grassl, ebenfalls Lehrer an der Schule, ergänzt: „Deshalb haben wir ihn auch imprägniert.“ Anzuführen gilt noch, dass die Feinarbeit von der zweiten und dritten Klasse ausgeführt wurde. Präsentiert wird der Apfel auf einem von der Fachschule für Metalltechnik angefertigtem Sockel aus Schwarzblech.

Apfel 5. Stein

Einen Apfel zu konstruieren – für einen Maurer sicher ein höchst seltener Arbeitsauftrag. Trotzdem, er wurde mit Bravour gemeistert. Unter Mithilfe der 1. Lehrlingsklasse entstand ein aus Bauschaum zusammengeklebter „Styrodurapfel“ mit einem Durchmesser von etwa 1 Meter und einer Schale aus ca. 5 mm Außenputz. Die Vorarbeit bestand darin, mit einem Muster eine Lehre zu erstellen. Viermal wurde diese herangezogen, um die Form herauszuarbeiten, ehe der Rest verklebt werden konnte. Fixiert ist das Werk mittels einer Metallhalterung auf einem Betonsockel.

Apfel 1. Maurer

„Unsere Idee war“, gemeint sind die Malerlehrer Bruno Giongo und Gabriel Karnutsch, „keinen perfekten Apfel, sondern diesen stilistisch darzustellen. Dies eröffnet auch andere Möglichkeiten der Farbgebung.“ Der Bauplan wurde im Internet ausfindig gemacht, mit CorelDraw bearbeitet und im Maßstab 1 : 1 mit Plotter ausgedruckt. Daraufhin konnten die Pläne auf Kunststoffplatten übertragen werden. Die Platten auszuschneiden und die angewinkelten Ränder mit doppelseitigem Klebestreifen zusammenzubauen waren die nächsten Schritte. Abgerundet wurde die Arbeit dadurch, dass man die so entstandenen vielen Flächen verspachtelte, verschliff und die Äpfel bemalte. Drei Exemplare sind es, die die Klasse 3 A Maler auf diese Weise gebastelt hat, und zwar in den Farben Rot, Grün und Gelb. Holzhalterungen als Sockel stellten die Tischler zur Verfügung.

Apfel 3. Maler

Der Beitrag der Berufsfindung/Anlehre – so Lehrer Erwin Platzgummer – entsprang dem Gedanken, mit Materialien aus der Landwirtschaft, die für jedermann erkennbar sind, und so naturnah wie möglich zu Werke zu gehen. Verwendet wurden mittig gebohrte Holzpfähle und Bambusstecken aus Obstanlagen, die die Schüler in jeden zweiten Streifen eines Gerüstbogens, konstruiert von der 2. Klasse der Fachschule für Metalltechnik, abwechselnd einfädelten. Unverkennbar der Stängel als Ende eines alten, recykelten, den Apfel durchlaufenden Metallankers mit einer gebogenen Scheibe als Kerngehäuse. Die Halterung besteht aus Flacheisen und einer Betonsäule. Ein altes Vogelnistkästchen, das an eben dieser Betonsäule befestigt ist, rundet das Bild ab.

Apfel Berufsfindung

Ausgestellt wurden alle genannten Werke während der Schlanderser Apfelwochen vom 17. bis 31. Oktober 2015 in der Fußgängerzone des Vinschgauer Hauptortes. Notiz am Rande: Direktorin Virginia Tanzer hat angekündigt, Erlöse aus eventuellen Versteigerungen bzw. Verkäufen der „Äpfel“ einem guten Zweck zukommen zu lassen.